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Das Land der Bären



Braunbären in Kanada
Braunbären in Kanada

You are in Bear Country!

In Canada sind drei Bärenarten heimisch. Schwarzbären (Black Bears) sind – mit Ausnahme des südlichen Teils der Prärien sowie der arktischen Tundra – in ganz Canada verbreitet. Zu den Braunbären gehören als Unterarten Grizzly und Kodiakbären. Grizzlies sind in den einsamen Gebirgsregionen West-Canadas und Alaskas anzutreffen.

Der Lebensraum der Kodiak Bears beschränkt sich auf die Insel gleichen Namens und die Westküste Alaskas. Die Eisbären (Polar Bears), die dritte bedeutende Bärenart Nordamerikas, leben ausschließlich in arktischen Gefilden.

Die Schwarzbären sind kleiner, schlanker und anpassungsfähiger als die scheueren Grizzlies und die Kodiakbären, die als größte Vertreter der Braunbären bis zu 800 kg schwer werden und aufgerichtet eine Länge von bis zu 3 m erreichen. Die Färbung des Pelzes reicht bei den Braunbären von blond über zimtfarben bis zum dunklen Braun, wobei die Grizzlies dem längeren, angegrauten (grizzled) Deckhaar ihren Namen verdanken. Am leichtesten zu identifizieren sind sie durch den ausgeprägten Schulterbuckel (Hump). Ihr Gesicht ist zwischen Nase und Ohren deutlich gewölbt, während das Profil der Black Bears eine nahezu gerade Linie bildet. Die wesentlich längeren Klauen der Grizzlies hinterlassen außerdem unverwechselbare Fußspuren.

Natürliche Feinde besitzen Bären nicht; Gefahr droht ihnen hauptsächlich durch den Menschen. Die fälschlicherweise oft als Raubtiere angesehenen Allesfresser bevorzugen pflanzliche Nahrung wie Beeren und Gras. Ihre Fleischkost besteht zu einem großen Teil aus Aas und Kleingetier; für die flinken Grizzlies stellen Lachse und Forellen eine willkommene Bereicherung ihres Speiseplans dar.

Das Vorrücken der menschlichen Zivilisation hat sich allerdings auch auf das Ernährungsverhalten der Bären ausgewirkt. Sie werden zunehmend von leicht erreichbaren Essensresten auf städtischen Müllplätzen angelockt, und selbst Abfalltonnen vor Wohnhäusern sind mittlerweile vor ihnen nicht mehr sicher.

Durch zu häufige Besuche dieser Futterstellen – wobei sie zuweilen ihr Einzelgängerdasein aufgeben und in größerer Zahl auftreten – verlieren sie schnell die natürliche Scheu vor Menschen und reagieren aggressiv auf Abwehrversuche. Besonders aufdringliche Exemplare werden betäubt, markiert und in die Einsamkeit zurückgeflogen.

Früher wurden in manchen Nationalparks Bären durch regelmäßige Fütterungen an Menschen gewöhnt und dadurch zur Parkattraktion. Um Nahrung bettelnde Tiere begannen, eine Gefahr zu werden. Um die »kulinarischen« Verlockungen für die Tiere zu minimieren, stehen heute auf allen »bärennahen« Campingplätzen verriegelte Abfallcontainer. Allerdings bekunden Bären mit ihrem guten Geruchssinn nicht nur für Nahrungsmittel ein ausgeprägtes Interesse. Im Zelt befindliche Kosmetika und Zahnpasta oder angebrannte Marshmellows in der Asche des Lagerfeuers sind gleichfalls Objekte ihrer Begierden! Wildniscamper hängen ihre Lebensmittel über Nacht für Bären unerreichbar an ein Seil zwischen zwei Bäumen. Beim Kochen halten sie Abstand zum Zelt und achten darauf, dass der Wind die Essensdüfte nicht in Richtung Schlafplatz weht. Und vor dem Schlafengehen ist Wäschewechsel eine gute Idee.

Wildniswanderungen führen oft durch Bärengebiet. Ein bimmelndes Glöckchen oder eine mit Kieselsteinen gefüllte Coladose am Rucksack, eine Trillerpfeife oder laute Rufe und Singen sollen die Bären rechtzeitig auf Gefahr aufmerksam mache, der sie lieber aus dem Weg gehen. Dabei muss der Geräuschpegel natürlich Wind und rauschendes Wasser übertönen. Tatsächlich bietet das einigen Schutz, auch wenn der Lärm mitunter lästig wird.

Begegnet man trotz aller Vorsichtsmaßnahmen einem Bären, hilft nur besonnenes Verhalten. Panisches Wegrennen lädt Meister Petz zur Verfolgung ein. Die tapsig wirkenden Bären erreichen Sprintgeschwindigkeiten bis zu 50 km/h. Zufluchtsuche auf dem nächsten Baum empfiehlt sich nur bei Grizzlies im Erwachsenenalter (indessen, woher weiß man, wie erwachsen der aufgetauchte Grizzly ist?), die nicht mehr gerne klettern, vorausgesetzt man kommt hoch genug. Ihre jüngeren Artgenossen und insbesondere Black Bears erklimmen Bäume zur Futtersuche und zum eigenen Schutz gern und erstaunlich elegant.

Die Ranger der Nationalparks raten, bei einem plötzlichen Zusammentreffen mit einem Bären langsam den Rückzug anzutreten. Sollte der Bär dennoch bedrohlich näherkommen, kann man ihm zur Ablenkung im letzten Moment den Rucksack als »Köder« zuwerfen. In den meisten Fällen wird er sich darüber hermachen und dem Wanderer Zeit geben, das Weite zu suchen. Als neue Wunderwaffe und letzte Notbremse gilt ein Anti-Bear Spray, dessen Geruch Bären angeblich nicht ertragen können. Bei kranken, verletzten oder hungrigen Tieren, deren Verhalten nicht berechenbar ist, sind – wenn man Pech hat – alle genannten Strategien wirkungslos. Gleiches gilt für Bärinnen mit Jungen, wenn man zwischen Mutter und Nachwuchs gerät.

Attacken von Schwarz- oder Braunbären soll man unterschiedlich begegnen. Bei Schwarzbären kann man sich (insbesondere in einer Gruppe) angeblich gut wehren. Die Ranger sagen: Fight back! Damit darf man indessen erst beginnen, wenn klar wird, dass der Bär keinen Scheinangriff inszeniert, bei dem er in letzter Sekunde abdreht. Bei den starken Grizzlies hilft absolut keine Gegenwehr. Greift ein Grizzly an, kann man sich nur noch mit dem Bauch auf dem Boden einkugeln, den Kopf mit den Armen schützen und den Angriff über sich ergehen lassen. Zumindest hat man so eine gute Chance, mit dem Leben davonzukommen, wenngleich schwere Verletzungen wahrscheinlich sind.

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